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23.07.2019 09:05:00


Der Pfynwald im Wandel der Zeit

Weiterführende Informationen https://forstregionleuk.ch

Der Pfynwald im Wandel der Zeit

Seit 2008 werden in den Wintermonaten gezielte Massnahmen zur Förderung der Biodiversität im Pfynwald ausgeführt. Die Bevölkerung von Leuk, Salgesch und Varen hat diese Veränderungen optisch längst festgestellt. Der dicht bewaldete Pfynwald wird hier und dort geöffnet und diverse Lücken wurden im Waldbild geschaffen.

Dieses Bild des Pfynwaldes ist eigentlich nichts Neues. Vor rund 60 Jahren war ein Grossteil der Bevölkerung von Leuk-Stadt und den umliegenden Dörfern noch Selbstversorger. Nutzbare Weideflächen waren rar und gefragt, so auch der Pfynwald. Auch wurden die Häuser grösstenteils mit Holz beheizt. Der Pfynwald wurde zu jener Zeit land- und forstwirtschaftlich stark genutzt.

Mit der Industrialisierung änderten sich die Bedürfnisse der Bevölkerung, weg vom Selbstversorger hin zum Arbeitnehmer. Dies hatte auch Auswirkungen auf den Pfynwald. Die einst infolge Weidegang und forstlichen Eingriffen lichten Wälder wurden nicht mehr genutzt und es entstand ein dichter, geschlossener Föhrenwald. Das geschlossene Kronendach führte zu einer Verarmung der Artenvielfalt und auch viele Tier und Insektenarten verschwanden in der Folge.

Der Pfynwald wird im Auftrag der Burgerschaft Leuk und unter der Leitung der Dienststelle für Wald, Flussbau und Landschaft, Kreis Oberwallis, vom Forst Region Leuk bewirtschaftet. Unter dem Projektnamen «Waldreservat Pfyn» werden seit 2008 die Ziele und Massnahmen festgelegt und umgesetzt, um einen artenreichen und dynamischen Wald zu erhalten. Im Jahr 2016 konnte der Kanton Wallis (Dienststelle für Wald, Flussbau und Landschaft) mit den Bodeneigentümern des Pfynwaldes, namentlich sind dies die Burgergemeinden Chandolin, Leuk, Varen, Siders, St. Luc, Salgesch sowie private Eigentümer, die gesamte Fläche unter den Waldreservatsschutz stellen. Mit dem Waldreservat Pfynwald – Bois de Finges konnte das grösste Waldreservat im Kanton Wallis geschaffen werden. Es umfasst 1'520 ha.

 

Waldreservat/Schutzwald?

Manch einer stellt sich die Frage worin der Unterschied eines Waldreservates und eines Schutzwaldes liegt?

Als Waldreservat werden Flächen bezeichnet welche vertraglich unter Schutzgestellt werden mit dem Ziel, die Biodiversität zu fördern. Dabei wird nochmals unterschieden in:

Naturwaldreservat: keine Massnahmen, die Waldfläche wird sich selbst überlassen. Davon profitieren alle Arten, welche auf Totholz angewiesen sind.

Sonderwaldreservat: gezielte Massnahmen, um die Artenvielfalt und traditionelle Bewirtschaftungsformen zu fördern und erhalten

Beim Pfynwald sind beide Waldreservatstypen vertreten. Der Pfynwald im Talgrund - auf dem Illbachkegel gilt grösstenteils als Sonderwaldreservat, die Flächen am Pfynberg/Gorwetsch sind als Naturwaldreservat ausgeschieden.

Zum Schutzwald zählen jene Waldflächen, welche unsere Siedlungen und Dörfer vor Naturgefahren schützen. Im gesamten Kanton zählen mehr als 80% der Waldfläche zum Schutzwald. Diese Wälder sind für uns von grosser Bedeutung, da sie uns vor Lawinen, Steinschlag, Rutschungen und Murgängen schützen. Die Schutzwälder werden durch die Forstreviere gezielt behandelt und laufend verjüngt, sodass sie Ihre Schutzfunktion dauernd erfüllen können. In Schutzwäldern hat die Schutzfunktion absolute Priorität, die Einrichtung eines Waldreservates oder eine Beweidung ist auf diesen Flächen grundsätzlich nicht möglich.

 

Massnahmen im Waldreservat Pfynwald – Bois de Finges

Seit 2008 konnten diverse Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umgesetzt werden. Dazu zählen Durchforstungen, die Schaffung von Niederwäldern, Waldrandpflege und Auflichtungen.

Bei den Durchforstungen handelt es sich um die dezentesten Eingriffe. Hier werden gezielt einzelne, meist schwache, kränkliche oder labile Bäume entfernt. Mit den Massnahmen wird dem restlichen Bestand mehr Platz gemacht, um besser anwachsen zu können. Zudem wird der Boden mit mehr Licht versorgt. Dies führt zu einer artenreicheren und üppigeren Flora.

Die Niederwaldbewirtschaftung ist eine alte Bewirtschaftungsform der Wälder. Als die Technologie noch weit zurück war und die Stuben im Winter mit Holz beheizt wurden, brauchten grosse Einzugsgebiete von Dörfern und Städten viel Energieholz. So wurden auch im Pfynwald jährlich Flächen kahlgeschlagen und das genutzte Holz zu Energieholz verarbeitet. Die kahlen Flächen bewaldeten sich schnell wieder mit Laubhölzern, wie Birken und Eichen. Die neu bestockten Flächen mit Birken und Eichen, welche sich durch ihre Schnellwüchsigkeit auszeichnen, wurden nach rund 20-30 Jahren wieder geschlagen. So konnte die grosse Nachfrage an Energieholz gedeckt werden.

Waldränder sind die Pufferzone zwischen Land- und Forstwirtschaft. Viele Tierarten wie Rehe, Hasen, Füchse, Igel und diverse Vögel profitieren von diesem Puffer und finden dort Unterschlupf und Nahrung. Der Ideale Waldrand besteht vorwiegend aus Straucharten und niederwachsenden Baumarten. Ein gepflegter Waldrand hat zudem den Vorteil, dass der dahinterliegende Wald vor Stürmen besser geschützt wird.

Auflichtungen werden dort gemacht, wo früher nachweislich beweidet und behirtet wurde. Hier wird vor allem eine artenreiche Flora und vielfältige Fauna gefördert. Als positiver Nebeneffekt finden hier Wildtiere und diverse Insekten und Falter einen idealen Lebensraum und ein viel grösseres Nahrungsangebot. Die Auflichtungen sollen zudem die alte Nutzung des Pfynwaldes wiederbeleben. So werden die Flächen wieder beweidet. Die Beweidung der Flächen fördert die Artenvielfalt zusätzlich und verhindert das erneute Einwachsen derselben. In den letzten Jahren wurden einige Flächen versuchsweise beweidet. Um die Flächen offen zu behalten, sind besonders Tierrassen geeignet, die am liebsten Sträucher und Gehölze fressen. Zudem wächst auf den mageren Flächen im Pfynwald lediglich nährstoffarmes und rohfaserreiches Futter. Es wurden für die Beweidung alte Tierrassen aus dem Projekt pro specie rara eingesetzt, die noch nahe an den ursprünglichen Wildformen sind. Zudem lieben Ziegen und Schafe Sträucher und sind für die Offenhaltung im Pfynwald besonders geeignet. Auch wurden teils Flächen mit Rindern beweidet. Die Beweidungsversuche haben durchwegs sehr erfreuliche Resultate geliefert. So wurden die Flächen offengehalten und die Strukturen gefördert. Die Beweidung ist eine effiziente und naturnahe Massnahme zur Erreichung der verschiedenen Biodiversitätsziele. So wird eine Ausdehnung der Beweidung auf verschiedene wertvolle Naturflächen geplant.

Die Bauherrschaft des Projektes obliegt der Burgerschaft Leuk welche zugleich auch Eigentümerin der Eingriffsflächen ist. Das Projekt und die Massnahmen wird durch eine Expertengruppe, Vertreter von der Forst- und Landwirtschaft, Biologen, Vogelwarte, dem Naturpark Pfyn-Finges und Professoren mit Spezialisierung in Wald- und Landschaftsbereich begleitet. Die Resultate der letzten Eingriffe sind durchwegs positiv zu beurteilen. Eine deutliche Zunahme der Artenvielfalt ist zu verzeichnen. Viele Arten fanden den Weg zurück in die wiederbelebten Flächen. In den Sommermonaten sind dies vorwiegend Tagfalter und Heuschreken was wiederum einige Vogelarten anlockt, in den Wintermonaten erfreuen sich vor allem Wildtiere wie Rehe, Wildschweine und Hirsche an den offenen und nahrungsreichen Flächen.

In der Etappe des Winters 2019 werden ausschliesslich Auflichtungen umgesetzt und ab dem Frühjahr wieder Beweidungen realisiert. Die Massnahmen werden im südlichen Teil des Pfynwaldes durchgeführt und umfassen 21 Hektaren. Die Flächen waren nachweislich bis in die 1950er offen und wurden stark genutzt. Auf diesen Flächen wird künftig eine Beweidung stattfinden, damit die Flächen auch künftig offenbleiben.

 

Luftbild 1946 / Aktuelles Orthofoto


Entwicklung Pfynwald
 

Datum der Neuigkeit 11. Feb. 2019
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